| Schon mal im
Dunkeln trainiert ? Turnen im einzigen hinduistischen König-reich der Welt Text & Bilder: Olivia Vrabl |
König Gyanendra von Nepal hat im Februar mit einem Putsch die Demokratie in seinem Land durch eine absolute Monarchie ersetzt und den Ausnahmezustand verhängt. Davon ist auch eine ehemalige österreichische Kunstturnerin betroffen: Olivia Vrabl (Jg. 1981) hat ihr Spanisch/Englisch-Studium knapp vor der Diplomarbeit für ein freiwilliges soziales Jahr in Nepal unterbrochen. Die Vorarlbergerin lebt seit November bei einer Sherpa-Familie in Kathmandu, unterrichtet an einer Montessorischule sowie am Goethe-Institut. Und sie hat eine Möglichkeit gesucht und gefunden, um auch in Nepal zu turnen. Wie das dort funktioniert, ist faszinierend. Ein "Reisebericht besonderer Art". . |
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.![]() Die landschaftliche Ruhe und Idylle täuscht: In Nepal herrscht Ausnahmezustand. |
Von den damaligen Turnern
sind vier dem |
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ihren Hallen lagerten).
Noch heute trainieren Turner und Turnerinnen in der selben Halle |
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Warum man manche Geräte in Nepal aus |
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Die anderen Geräte werden
selten trainiert, der |
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ein bis zwei Mal in der
Woche nach Kathmandu, weil sie sonst gewisse Elemente über- |
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Weshalb derzeit nicht einmal
jedes Jahr ein nationaler Wettkampf statt findet. |
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. Im letzten Jahr hat es keinen nationalen Wettkampf gegeben, weil aufgrund maoistischer Anschläge nicht alle Turnstätten teilnehmen konnten. Die Maoisten haben nämlich die schlechte Angewohnheit, Schüler und Lehrer aus ihren Schulen zu entführen, um sie für ihre Zwecke zu rekrutieren. Als Reaktion blieben viele Schüler und Schülerinnen (1/3 der maoistischen Rebellen sind Frauen) dem Unterricht fern und als Konsequenz sind seitdem viele Schulen und somit auch Sporthallen außerhalb des Kathmandu-Tals geschlossen. . |
![]() Das einzige Turn-Trampolin in ganz Nepal.... |
Wer mehr über die Hintergründe dieses Konfliktes und
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Auch wenn die Lage in
Nepal zur Zeit ziemlich instabil ist, brauchen sich hier Touristen |
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Eine nepalesische Trainingseinheit - oder wie man seinen Körper bei knapp über null Grad zu Höchstleistungen bringt. |
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Momentane Schwierigkeiten, mit denen |
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Wer sich
während des Lesens amüsiert hat und trotzdem
helfen will... |
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.![]() |
Jedes Turngerät, jeder
Turnanzug wird hier geschätzt und "Live" aus Kathmandu: Olivia Vrabl... |
| . Land und Leute: Auszüge aus Olivia Vrabls persönlichen Reiseberichten. |
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Derzeit habe ich gerade Weihnachtsferien, aber nicht, weil >> Home Weihnachten ist oder sonstige Feiertage sind, sondern weil es zu kalt ist in der Schule zu sitzen (ohne Fenster, ohne Türen, ohne Heizung). Ende Jänner geht es dann weiter. Ich habe natürlich die Ferien zum Reisen verwendet und bin mit dem Flugzeug nach Pokhara geflogen, eine absolut beein- druckende Stadt, weil sie von lauter 7000ern umgeben ist. Ich bin jeden Tag um 6 aufgestanden, um den Sonnenauf- gang zu sehen. Bei der Reise habe ich seit langem wieder einmal mit einem Touristen gesprochen. Da wurde mir erst bewusst, dass ich nur mit Nepalesen interagiere. War ganz gut, wieder einmal mit einem Ausländer zu reden und eine „intellektuelle Diskussion“ zu führen, und auch über die Er- lebnisse in Nepal zu reflektieren. und als dieser Tourist dann einen Tag in Kathmandu verbracht hat, habe ich Touristen- führer gespielt und ihm die allerwildesten Sachen in Kath- mandu gezeigt – z.B. Bouddha, sowas wie Klein Tibet. Ein Tibeter hat vor ein paar Hundert Jahren den damaligen König ausgetrickst und am Rande von Kathmandu ein Fleckchen Land erworben. Bis heute herrschen innerhalb dieser paar Quadratmeter eigene Gesetze, so kann man mitten im ein- zigen hinduistischen Königreich der Welt eine heilige Kuh schlachten - auf buddhistischem Boden. In diesem Land gibt es
soviele Kontraste zwischen Gut und Lust auf ein paar schräge Sachen ?
Was ich mittlerweile herausgefunden habe: jeder ist irgend-
wie Chef von irgendwas, weil jemand wichtiger zu sein ist
hier echt voll wichtig... Ich wohne jetzt mehr oder weniger
lleine (der älteste Sohn der Familie übernachtet ab und zu
da) und passe auf ein riesen Haus auf, (Gas zahlen, Wasser
kaufen, Solarzellen putzen, Blumen gießen, etc.) weil meine
Gastfamilie in Deutschland ist.
Hab eine hinduistische Beerdigung angeschaut – die sind
hier öffentlich. Ist schon schräg, zuerst putzen die Familien-
mitglieder den Leichnam im heiligen Fluss, wickeln ihn in ein
Tuch ein, viele Blumen, viel rotes Farbpulver darüber streu-
en und dann wird der Tote öffentlich verbrannt. Daneben
spielen natürlich Kinder und Frauen waschen ihre Kleider
und ihre Haare in demselben Fluss...
Hab einen Turnwettkampf angeschaut, voll süß und voll
beeindruckend, was die alles auf die Reihe kriegen ohne an-
ständige Matten. Ein Trainer hat mir erzählt, dass sie mal
einen guten Turner hatten, der am Boden Doppelsalto üben
wollte und weil sie zu der Zeit nicht einmal eine einzige
dicke Matte hatten, mussten sie ein riesiges Tuch verwen-
den, das von vier Personen gespannt wurde. Not macht
erfinderisch.
Ab etwa 8 Uhr Abends wird man an jeder größeren Kreu-
zung kontrolliert und muss sich rechtfertigen, warum man
zu dieser späten Stunde noch unterwegs ist. Wenn Nepa-
lesen, vor allem Männer, zu dieser Zeit einfach so am
Straßenrand sitzen, werden sie automatisch von der Polizei
oder der Armee gecheckt. Als Tourist kann man sich frei
bewegen, aber sobald ein Nepalese dabei ist, bekommt der
eine Körperkontrolle.
Für die Musiker hier mal einen Einblick in die Kathmanduer
Geräuschkulisse von meinem Schlafzimmer aus:
Wenn man diese kleine Trommel, die auf beiden Seiten be-
spannt ist undeinen Faden mit einer Holzkugel dran hat,
tscheppern hört, dann spaziert einer durch die Straßen
und verkauft kleine Sachen (Süßigkeiten, Seife, etc.).Hört
man eine Ektare (ek=1, Gitarre mit einer Seite), dann ver-
kauft der Typ Steppdecken. Diverse Wörter, die irgend
welche Verkäufer rufen, sind diverse Sachen, zb. Suntala
(Orange), die sie verkaufen. Hört man ein seltsames Rasch-
eln, dann sind das kleine Metallringe und Metallschalen, die
verkauft werden. Lautes Hämmern – ach ja, neben mir wird
ein Haus gebaut. Hundegebell in der Nacht heißt soviel wie
den Hunden ist zu kalt zum Schlafen zu dieser Jahreszeit.
Hahnengekrähe, dann ist es etwa 4 Uhr Morgens. Hohes,
schnelles Glockengebimmel = gläubige Hindus , die ihre Göt-
ter rufen (weil die ja die Glocken hören). Gemurmel-Gesang-
gemisch = gläubige Hindus am Beten (deswegen wache ich
ab und zu um 5 h Morgens auf) Tiefes, langsames Glocken-
gebimmel = buddhistischer Mönch spaziert betend durch
die Straßen Autos und Motorräder höre ich zum Glück nur
die von den Anrainern.
Nun ist es soweit: Demokratie ade !
Ausgangssperre hat es aber keine gegeben. Der Zeitpunkt
hängt wohl damit zusammen, daß der Februar (oder wohl
eher der Monat faghun) der Gründungsmonat der Maoisten
ist. Am 1. Februar um 10 h morgens hat der König eine rede
gehalten, in der er gemeint hat, nun ist endlich Schluss mit
dem Zirkus. Er habe sowieso schon zulang zugeschaut und
den Politikern eine Chance gegeben, mit den Maoisten zu
verhandeln, um eine Lösung des Konfliktes zu finden. Nun
setzt er alle Gesetze außer Kraft und wandelt die konstitu-
tionelle Monarchie in eine absolute um. Seiner Meinung
nach (und damit hat er die Mehrheit der Bevölkerung hinter
sich) hat demokratie nur Leid in diesem Land gebracht. Er
will nun die ganze Macht an sich nehmen, hat bereits zehn
neue Minister ernannt, dem Theater ein Ende bereiten und
in ein paar Jahren die Demokratie wieder einführen. Warum
die Mehrheit der Bevölkerung dafür ist? Für eine vernünftige
Demokratie ist wahrscheinlich ein gewisser Bildungsstand
eine Grundvoraussetzung, und der ist hier einfach nicht ge-
geben. Viele Leute hier denken, Demokratie bedeutet, man
kann tun und lassen, was man will. Seit die Demokratie ein-
geführt worden war, ist die Kriminalität und Korruption um
ein Vielfaches gestiegen. Kurz nachdem die Rede im Radio
gekommen war (ich war zu dem Zeitpunkt gerade in der
Schule), kamen schon die ersten Eltern, um ihre Kids abzu-
holen. Die Telefonleitungen waren bereits tot und der Flug-
hafen gesperrt (der bleibt bei den bandhs (Streiks) immer
offen). Ich bin nach dem Mittagessen kurz auf die Haupt-
straße gegangen, weil ich noch ein paar lebensmittel einkau-
fen wollte, denn niemand wusste, ob es nun eine Ausgangs-
sperre geben würde oder nicht (letztes Mal hatte die Armee
die Ausgangssperre erst nach einer Woche aufgehoben).
Die Stimmung war ziemlich angespannt. Überall Armee und
Polizei, keine lachenden Gesichter, die meisten Stände hat-
ten schon abgebaut und auch das düstere Wetter passte
perfekt zu den Gefühlen der Menschen. Die Ungewissheit
vor der Zukunft nagte an der ganzen Bevölkerung. Vor allem
die ungebildeteren Menschen haben furchtbare Angst.
Die letzte Woche waren die Telefonleitungen in Kathmandu
nur für eine Stunde pro Tag offen, und das auch noch wahl-
los. Sobald man im Nachbarhaus das Telefon klingeln hörte,
fingen alle an zu telefonieren. Offensichtlich wollte man nach
der Ansprache des Königs vermeiden, dass sich Menschen zu
Demonstrationen organisieren. Mittlerweile funktioniert sogar
das Internet wieder, auch Handys kann man wieder verwen-
den – jedoch nur Vertragshandys, Wertkartenhandys werden
vermutlich noch monatelang nicht funktionieren. Pressefrei-
heit gibt es keine mehr und alle ehemaligen Minister sind
immer noch unter Hausarrest. Sonst nimmt alles seinen ge-
wohnten Gang.
Ich nehm's easy, die Schule ist zu Fuß nur eine Minute ent-
fernt, und im Umkreis einer Gehminute kenne ich fast die
ganze Nachbarschaft. Sollte ich irgend was brauchen, kann
ich ziemlich viele Leute um Hilfe fragen. Ansonsten kann ich
nicht viel tun, ich steh auf der Liste aller an diesem Konflikt
Beteiligten sowieso ganz unten. Und es ist eigentlich über-
raschend ruhig in der Hauptstadt. Armee und Polizei haben
zwar ihre Truppen verstärkt, jetzt stehen halt an jeder
Straßenecke vier bewaffnete Männer statt zwei, aber das
macht wohl auch keinen großen Unterschied mehr. Ich beob-
achte die Situation weiter genau, im Gegensatz zu den meis-
ten Touristen, die nur ein paar Wochen hier sind, kenne ich
mich mittlerweile mit den Sitten und Gebräuchen ein wenig
aus, und im Notfall könnte ich sogar zu Fuß zum Flughafen
gehen. Das klingt vielleicht alles sehr negativ, aber es hat
sich eigentlich nicht viel verändert und ich bin guter Dinge.
Ich denk mir einfach, solange die Frau vom österreichischen
Konsulat noch herzhaft lacht, gibt es keinen Grund zur Beun-
ruhigung. Mir geht es gut und das Heimweh hält sich (wie
immer) in Grenzen...
Gestern war der Beginn von Lhosar (tibetisch: lho=jahr, sar=
neu). Die Tibeter und Sherpa feiern jetzt die nächsten 15
Tage den beginn des neuen Jahres. ich habe von der Schule
frei bekommen (die Direktorin ist der Ansicht, ich soll soviel
Kultur in Nepal bekommen, wie ich nur kriegen kann) und bin
zu den zwei älteren Geschwistern meiner Gastfamilie (die
wohnen ja bei der Großmutter) gegangen. Der Rest der Fami-
lie ist ja immer noch in Deutschland. Zu Beginn des Lhosar-
Festes stehen alle um 6 auf, machen ein riesen Feuer und
verbrennen tibetisches Rauchwerk. Dann hängt man neue
Fähnchen in allen Farben auf. Danach bekommt man Tika
und geht in den Tempel beten. Ich bin erst am späten Vor-
mittag zu ihnen geschneit. Das älteste Mitglied der Familie,
in meinem Fall die Sherpa-Großmutter, hat bei mir das Neu-
jahrsritual durchgeführt. zuerst Tika auf die Stirn und auf
den Scheitel, nur, im Gegensatz zu den Hinduisten, die für
das Tika Farben verwenden, nehmen die Buddhisten Butter.
Na feine, da bin ich den ganzen Tag mit ranziger Butter im
Haar herum gesprungen... Nach dem Tika bekommt man ein
weißes Seidentuch um den Hals gehängt und dann isst man
den ganzen Tag Kapscha, das ist sowas fettig Frittiertes.
Am Vortag, während ich in der Schule war, ist eine Schwes-
ter zu mir nach Hause gekommen und hat einen riesen Berg
Kapscha gebacken. Als ich heimkam, waren im ganzen Haus
Kapscha, Bonbons, Früchte, Kekse und Zucker verteilt...
Nach dem Neujahrsritual bin ich in einen der wichtigsten
Tempel der Buddhisten gegangen und habe Butterkerzen an-
gezündet. Danach habe ich im Goethe-Zentrum ein Referat
über den Fasching in österreich gehalten – war ein ziemli-
cher Kontrast zum Lhosar und sowieso und überhaupt ist
es seltsam, jemandem, der nicht einmal weiß, wie ein Clown
aussieht, etwas über Fasching zu erzählen. Aber es war lus-
tig – bis auf die Faschingsspiele, die ich mit den Deutsch-
studenten gemacht habe. Die fand ich auch lustig, nur die
Nepalesen nicht. So unkompliziert und friedlich die oft sind,
ihr Humor lässt sogar eine Zitrone süß erscheinen...
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. Betreff: Sadhu (heiliger Mann) Sehr hartgesottene Männer springen da in der Gegend herum und haben fast nichts an –
außer was Gelbes und Rotes, haben meistens elendslange Rasta und immer eine lustige
Zeichnung auf der Stirn. Sie dürfen keine Behausung haben, dafür haben sie immer einen
gleich ausschauenden Kübel und einen heiligen Stab bei sich und fragen jeden um Essen
oder Geld. Die meisten Leute geben eigentlich gern was, denn das stimmt sie ja bei den
Göttern gut. Für Heilige Männer ist Marihuana rauchen legal (dafür gibt es extra einen
Gott des Rausches) – für den Rest der Bevölkerung natürlich nicht.
echten daran, daß sie keine Touristen um Geld fragen, sondern nur Hindus, weil die zah-
len ja für die Götter, oder man erkennt sie daran, dass sie total dreckig sind, wobei das
natürlich nicht Dreck ist, sondern heiliger Dreck, denn nach jedem Bad reiben sie sich
von Kopf bis Fuß mit heiliger Asche ein....
"Live" aus Kathmandu: Olivia Vrabl.. |
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