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Der Österreichische Fachverband für Turnen absolvierte 2006 das aktivste und vielseitigste Jahr seiner knapp 60jährigen Geschichte. Neben der Kernaktivität im Spitzensport wurden die Aktivitäten im Vereins- und Schulsport intensiviert. Dies wird durch das ÖFT-Rekordjahresbudget von 775.000,- Euro dokumentiert, das zwar in anderen Sportarten nur ein müdes Achselzucken hervor ruft, im Turnen aber in Kombination mit der hauptsächlich ehrenamtlichen Management-Tätigkeit auf allen Ebenen sehr viel bewegen konnte. Und natürlich rückte (außerhalb dieses Budgets) die Vorbereitung auf DAS Großereignis 2007, die Welt-Gymnaestrada im kommenden Juli in Dornbirn, mehr und mehr in den Vordergrund.

 

Man könnte geneigt sein, das abgelaufene Jahr 2006 im ÖFT-Spitzensport als ein nur mäßig erfolgreiches abzutun. Denn das insgesamt eher enttäuschende Abschneiden bei den internationalen Höhepunkten der Herbstsaison - Kunstturn-WM und EM der Rhythmischen Gymnastik - ist noch gut in Erinnerung. Doch die Luft wird bekanntlich dünner, je näher man dem Gipfel kommt. 17 Finalplätze (=Top8) im Turn- und Gymnastik-Weltcup durch vier unterschiedliche Aktive sowie die RG-Nationalgruppe, zwei Turn-Weltcupmedaillen (Marco Baldauf, Marco Mayr), reihenweise internationale Nachwuchs-Meetingsiege in der Sportaerobic und jetzt auch im Trampolinspringen halten deutlich dagegen. All das hätte in der Fachszene vor wenigen Jahren noch Begeisterung ausgelöst, jetzt nimmt man es bereits fast als normal zur Kenntnis.

Nicht zu vergessen: Bei der Kunstturn-Europameisterschaft im Frühjahr wurden von drei der vier ÖFT-Teams (Damen und Herren, jeweils Elite und Junioren) "bislang historisch beste Ergebnisse" im guten Mittelfeld erreicht (das vierte egalisierte die aktuelle Topmarke). Die Ränge 12 und 13 im Turn-EM-Mehrkampf (Marco Baldauf, Fabian Leimlehner) sowie Platz 9 von Theresa Pirka bei der Junioren-EM sind ebenfalls so stark, wie nie zuvor. Nicht zuletzt maßgeblich für den nachhaltigen Aufwärtstrend der olympischen ÖFT-Sparten: Der ÖFT beschäftigt mittlerweile sieben Profitrainer selbst, insgesamt sind österreichweit bereits knapp zwei Dutzend Profis in diesem Bereich vor allem in den Landes-Leistungszentren tätig. Last but not least trainieren immer mehr ÖFT-Sportler/innen auch im Nachwuchsbereich unter professionellen Bedingungen und haben international "Lunte gerochen": Man glaubt jetzt daran, ganz vorne mitmischen zu können. Nur wer sein Ziel für realistisch hält, hat bekanntlich auch die Chance, es zu erreichen.

 

Auf organisatorischer Ebene kamen im Jahr 2006 bei insgesamt 18 getrennt organisierten Staatsmeisterschaften und Österreichischen Meisterschaften der acht ÖFT-Turnsp(ort)arten genau 164 unterschiedliche Bewerbe zur Austragung (ein neuer "Rekord", einer mehr als 2005), wobei 367 Siegerinnen und Sieger ihre Goldmedaillen umgehängt erhielten (Gesamtzahl der Medaillengewinner: 1104): Kaum ein anderer Fachverband erreicht diese Dimension und Vielfalt. International festigte Österreich mit mehr als einem Dutzend internationaler Meetings (vor allem im Nachwuchsbereich bis hinauf zum Jugend-Weltturnier) seinen ausgezeichneten Ruf als Turn-Veranstalterland. Vielleicht ist auch diese hohe Erwartungshaltung mit dafür verantwortlich, dass sich im Laufe des Jahres bereits über 25.000 Menschen aus 53 Ländern und allen Kontinenten zur aktiven sportlichen Teilnahme an der Welt-Gymnaestrada 2007 in Dornbirn vorangemeldet haben. Ganz "Turn-Vorarlberg" war schon 2006 im unermüdlichen Dauereinsatz, um die riesige organisatorische Herausforderung bewältigen zu können. Alle Sportfans sind schon jetzt eingeladen, das unvergleichliche Happening-Flair der Gymnaestrada irgendwann zwischen 8. und 14. Juli 2007 für einen oder zwei Tage selbst mitzuerleben: Es wird besonders günstige Besucher-Packages für die Reise in diese beste aller Sportwelten geben.

 

Strukturiell wurde 2006 die ÖFT-Erneuerungstätigkeit der letzten Jahre weiter voran getrieben. Der Zug fährt zum Zielbahnhof optimaler Vereinssport-Förderung und zu perfektem Mitgliederservice (nur der Ankunftszeitpunkt steht noch nicht fest ;-). Die bestehende Angebotspalette (Gym4all, ÖLTA, Amateur Aerobic Contest, Vereinsgütesiegel, Übungsleiterkurse, Seminare+Workshops, Publikationen uvm.) wurde intensiviert, nachjustiert und gefestigt. Die Zahl der ÖFT-Mitgliedsvereine ist (wieder) im Steigen begriffen, durch die Freizeit- und Gesundheitssport-Aktivitäten sowie durch die Angebote im polysportiven Kinderturnen gelingt es, neue Interessenten ins Boot zu holen. Besonders viel versprechend gestartet ist "Akro4Kids" (www.akro4kids.at), das völlig neue Sportakrobatik-Einsteigerprogramm: "Noch nie war es so einfach, ein echter Akrobat zu sein" - was sich auch dadurch bestätigt, dass bereits drei Monate nach der Veröffentlichung zu Schuljahresbeginn regionale Akro4Kids-Wettkämpfe mit über vierhundert Teilnehmern stattgefunden haben.

Robert Labner

[Dieser Bericht wurde auch für das Sportjahrbuch der BSO verfasst].

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